ECSA

Blickpunkt September 2016

Sonntag, 25. September 2016

Früchte ernten!

Das war eine herbe Enttäuschung gestern Abend, wo ich doch so gerne den Grill anfeuere. Doch das Gewitter war unbeschreiblich, so macht es wirklich keinen Spaß, also dann die Würstchen und die Steaks in die Bratpfanne. Hm...
In die Enttäuschung mischen sich dann aber plötzlich ganz andere Gedanken. Was ärgert mich denn eigentlich? Dass ich mein Abendbrot nicht auf die gewünschte Weise zubereiten konnte? Na und, ich hatte wenigstens eins und musste doch auf nichts verzichten, außer vielleicht auf den Blick ins Feuer. Ich konnte ein reichliches Mahl genießen, denn mein Kühlschrank ist voll mit guten Dingen.

Was war das schön im Sommer auf den Feldern oder im Wald Früchte genießen zu können! Im Garten hingen Beeren, Pflaumen und Äpfel in Hülle und Fülle, dass wir die Masse kaum bewältigen konnten. Das goldgelbe Getreide auf den Feldern rund um mein Haus ist mittlerweile geschnitten und wird nun zu Mehl verarbeitet. Ziemlich wahrscheinlich, dass ich auch im Winter genug Brot kaufen kann.

Was machen die Familien jetzt in Aleppo? Die werden auch von allen Seiten zugeschüttet, aber nicht mit leckeren Früchten, sondern mit Bomben, Granaten und Maschinengewehrfeuer. Meine Kinder können sich jeden Tag ihr Essen aussuchen und nörgeln rum, wenn es mal nicht so schmeckt. Die Kinder dort? Die würden wahrscheinlich alles irgendwie Essbare ohne hinzugucken in sich rein stopfen.
Ich schäme mich für meinen Ärger an dem ausgefallenen Grillabend. Mir fällt das Gleichnis von Jesus ein, wo es um die Früchte des Weinstocks geht. Wir gehen auf den Herbst zu, in wenigen Wochen werden in den Weinbergen die Trauben geerntet. Jesus vergleicht sich selbst mit dem Weinstock und fordert uns auf, ganz dicht an ihm dranzubleiben. Ist nicht ER derjenige, der alles wachsen lässt? Na klar wird auch unsere Arbeit einen Beitrag leisten, aber der ist vergleichsweise gering. Unser Problem ist vor allem, dass wir uns einbilden, alles selber zu regeln. Das Ergebnis ist überall zu sehen: das Einzige, was wir Menschen selber zustande bringen ist, diese Welt kaputt zu machen und uns gegenseitig umzubringen. Darin sind wir allerdings Meister. Gott erbarme dich! Mach uns zu Menschen, die diese Welt mit deinen Augen sehen und halt uns ganz dicht bei dir! Amen.

By: Stephan Hobrack